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Zur Zeit besteht fast ein Hype um das Thema Faszien. Die Faszien, sowie der gesamte Faszienapparat waren über lange Zeit hinweg wenig beachtete und weitgehend unerforschte Strukturen. Der Erkenntnis ihrer umfangreichen Aufgabengebiete und unterschiedlichen Funktionen, die weit über den Zusammenhalt von knöchernen Strukturen im Gelenkbereich oder der Organstabilisierung hinausgehen, war zunächst die Erforschung ihrer Anatomie nötig.

Warum sind die Faszien so wichtig?

1. Faszien sind Bestandteil vieler Lebensformen

Faszien sind feine, zähe bindegewebige Häute. Jedem, der schon einmal Fleisch zubereitet hat, sind diese milchig-weißen Häute, die das rohe Steak umhüllen, schon einmal aufgefallen. Faszien hüllen auch beim Menschen die Muskeln ein und erlauben es, einzelne Muskeln voneinander abzugrenzen.

Auch in anderen Lebensformen wie der Pflanzenwelt beobachten wir Ähnliches. Räumlich trennende und zugleich formgebende Häute finden wir auch in Apfelsinen und Grapefruits. Im Grunde gibt es keine Lebensform, die ohne diese elastischen Häute auskommt. Formgebende und gleichzeitig trennende Gewebe und Häute bilden die Grundmatrix des Lebendigen.

2. Faszien haben viele Aufgaben im Körper

Fasziale Bindegewebe erfüllen außer der Funktion der Trennung der Muskeln weitere wichtige Aufgaben. Denn auch die Lymphe wird zwischen den Faszien abgeleitet. Diese Flüssigkeit transportiert sowohl Abbauprodukte aus unseren Zellen, als auch wichtige Aufbaustoffe zu den Zellen. Jede Muskelbewegung unterstützt dabei den Transport der Lymphe. Faszien können verkleben, wenn es aufgrund von Verspannungen zu einem Stau der Lymphe kommt. Das Fibrinogen, ein Blutgerinnungsfaktor, liegt in der Lymphe als gelöster Stoff vor, wird aber in Kombination mit bestimmten Substanzen zu unlöslichem Fibrin. Substanzen wie das Adenosintriphosphat werden bei Muskelanspannung freigesetzt. Durch die Fibringerinnung verkleben dann die Faszien intensiv miteinander.

3. Faszien sind mit symphatischen Nervenendigungen durchsetzt

Die menschlichen Faszien umhüllen ausnahmslos jeden Muskel, jeden Knochen, unsere Organe und selbst die Nerven. Diese Bindegewebe haben im Körper keinen Anfang und kein Ende und sind als ein Geflecht von sich überlagernden, nahtlos ineinander übergehenden, derben Häuten zu verstehen. Faszien können im Körper hauchdünn oder mehrere Millimeter stark sein. Sie sind zahlreich mit sympathischen Nervenendigungen durchsetzt. Über diese Nervenendigungen wirken die Faszien auf unser vegetatives Nervensystem. Sie bilden sozusagen den Außenposten unseres autonomen Nervensystems. Autonom bedeutet: Über dieses Nervensystem haben wir keine bewusste Kontrolle und es regelt lebenswichtige Körperfunktionen weitestgehend selbstständig. Dazu gehören Atmung, Verdauung, einzelne Organe und auch Muskeln wie die inneren Augenmuskeln.

4. Die Psyche steuert die Faszienspannung

Auch die Faszienspannung wird vom autonomen Nervensystem beeinflusst. Eine innere Gelassenheit senkt die Körperspannung. Stress dagegen kann die Grundspannung der Faszien steigern. Doch auch das Gegenteil ist richtig. Stehen die Faszien unter hoher Spannung, fühlen Pferde sich gestresst und finden keine innere Ruhe. Haben sie nie gelernt, sich wirkungsvoll wieder auf der Ebene der Faszien zu entspannen und loszulassen, wird die Tonuserhöhung zu ihrem Selbst. Eine Spirale kann in Gang gesetzt werden. An deren Ende ein unbewegliches, grobmotorisches, oft erst 5jähriges Pferd steht. Das sich schon bei normalen Bewegungen verletzen kann. Einige heftige oder für sie ungewohnte Bewegungen reichen aus, um Muskeln zu zerren oder zu stauchen.

5. Die Beweglichkeit hängt von den Faszien ab

Auch für die Gesamtbeweglichkeit sind die Faszien entscheidend. Durch psychischen Stress, Operationen, Schonhaltungen sowie Bewegungsmangel und falschen Gebrauch des Körpers verkürzen und verhärten sich Faszien. Sie werden im Körper umgebaut. Die gut dehnbaren Elastinanteile nehmen ab und werden innerhalb der Faszie durch das zähe, kaum dehnbare Kollagen ersetzt. Der Grundtonus erhöht sich um ein Vielfaches und sie werden dadurch starr und unbeweglich. Auf Grund dessen verlieren sie ihre Gleitfähigkeit. Die gravierenden Folgen: Sie grenzen den Bewegungsspielraum des Pferdes der Muskulatur und ser Gelenke dauerhaft und oft auch schmerzhaft ein.

6. Kraft kommt von den Faszien

Eine überragende Rolle spielen Faszien bei der Krafterzeugung. Faszien erzeugen durch Dehnspannung Kräfte und leiten diese im Körper weiter. Muskeln verstärken die Kräfte um ein Vielfaches. Dabei gilt die Gleichung: Je elastischer die Faszien im Körper sind, umso mehr Kräfte werden erzeugt und übertragen. Sie dienen dabei als Energiespeicher. So werden beispielsweise im Huf die bindegewebigen Bänder und Faszien gedehnt, sobald das Pferd mit dem kompletten Körpergewicht auf dem Huf steht. Sofern ein gut bearbeiteter Huf vorhanden ist, weichen die Trachte und der Ballen durch das Gewicht leicht auseinander. Der Huf (die Huflederhhaut) senkt sich etwas. Der Huf und trotzdem elastischen Faszien werden gedehnt. Sie speichern diese Energie und sind leicht vorgespannt. Sobald wir das Körpergewicht minimal verlagern, wird die Energie freigegeben. Der Schritt beginnt und der Huf geht in seine ursprüngliche Form zurück, bis der Prozess wieder von vorn beginnt. Diese Prinzip der Energiespeicherung über die Faszien gilt für den ganzen Körper. 

7. Faszien sind ein Sinnesorgan

Für die meisten Menschen ist es auch überraschend zu erfahren, dass unsere reichhaltigsten Sinnesorgane auf keinen Fall Augen, Ohren, Nase oder Haut sind. Sondern unsere Muskeln mit deren Faszien und Nervenendigungen. In Faszien befindet sich die größte Anzahl an Rezeptoren und Nervenzellen, die das Gehirn mit Sinnesempfindungen überschütten. Deswegen bezeichnen wir Faszien im erweiterten Sinne auch als ein Sinnesorgan.

8. Faszien formen dein Köper

Doch Faszien können noch mehr. Sie formen ein Körper und sind maßgeblich für sein Erscheinungsbild verantwortlich. Faszien bilden eine veränderliche Grundmatrix. Diese passt sich über Wochen und Monate den unterschiedlichen Belastungen des Körpers an. Würden wir alle Organe, Knochen und Muskeln aus einem Pferd entfernen, könnten wir immer noch seine individuelle Gestalt erkennen. Wir sehen eine weiße, milchige Hülle mit vielen Einbuchtungen und Taschen, in denen die Organe, Knochen und Muskeln lagen. Es sind zum größten Teil die Faszien, die das Pferd eigentlich aufrecht halten. Verändern wir nun durch manuelle Manipulation im Zuge einer Faszientherapie die Lage der Muskeln und die Gleitfähigkeit der Faszien, ändert sich oft spontan die Form des behandelten Körperteils und dessen Beweglichkeit nimmt drastisch zu. Es ist auch für uns immer wieder überraschend und faszinierend, wie schnell sich der ganze Körper vom Pferd in nur einer Beandlung unter unseren Händen wandelt.

9. Faszien verbinden

Dazu kommt, dass alle Faszien untereinander in Verbindung stehen und Spannungen und Unbeweglichkeiten in andere Körperteile übertragen. Deshalb kann eine verkürzte oder verklebte Unterarmfaszie über die Beine einen Zug auf den Rücken oder sogar die Schulter ausüben und dort für Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Unbehagen sorgen. So sehr wie uns das als Nachteil gereicht, so sehr können wir auch davon profitieren. Denn arbeiten wir Faszientherapeuten an einer Faszie, erreichen wir sehr viele Faszien vom Kopf bis zur Hufspitze.

10. Faszien lassen sich manipulieren

Mit Hilfe vom Reiten oder anderen herkömmlichen Bewegungsarten ist es leider unmöglich, kollagene Verdickungen oder Verklebungen des Bindegewebes aufzulösen und die Faszien langfristig zu mobilisieren. Der Einfluss auf die Faszien ist äußerst gering. Myofaszien lassen sich jedoch sehr gut durch einen manuellen subtilen Druck lösen und mobilisieren. Hierbei bedienen wir uns in der Faszientherapie der sogenannten Faszinetik nach Grünbeck. Verfestigte gelartige Kolloide (Proteine in der Gundsubstanz der Faszien) können unter Einfluß mechanischer Kräfte vorübergehend flüssig werden (aus dem Gel- in den Solzustand). Weiterhin gelten zahlreiche nervale Rezeptoren in den Faszien als neurologische Schaltstellen. Diese übermittlen über einen sensiblen manipulativen Druck Informationen direkt an das Nervensystem. Das kann zu einer spontanen Tonusveränderung des Gewebes führen. So kann man über Faszienmobilisation die Lage der Muskeln und deren Funktion im Körper nachhaltig positiv beeinflussen. Abschließend sei bemerkt, dass man für die Mobilisierung der Faszien mit der einhergehenden verbesserten Körperhaltung und dem großen Plus an Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit unbedingt einen bestens ausgebildeten Spezialisten aufsuchen sollte.